Angehörige
Depressionen erkennen und verstehen
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Verhaltensempfehlungen für Partner, Angehörige, Freude, Chefs, Mitarbeiter, etc. von Menschen, die an Depressionen leiden: Seien Sie ein verständnisvoller, geduldiger Zuhörer. Das ist nicht selbstverständlich, aber sehr wichtig! Seien Sie flexibel! Die Symptome der Depression wirken sich unterschiedlich aus, eine Krankheit kann man sich nicht aussuchen. Die negativen Empfindungen des Betroffenen (z.B. Klagen über Unlust, körperliche Beschwerden, Schlaflosigkeit) nicht bagatellisieren, wegdeuten oder ausreden. Kein platter Trost oder banale Aufmunterungen. Die momentane Hoffnungslosigkeit des Betroffenen als ein Zeichen des depressiven Zustandes nehmen, realistische Hoffnung auf ein Ende der Depression geben. Nicht an den Willen appellieren. Nicht sagen, der Betroffene solle sich zusammennehmen, er können schon, wenn er nur wolle. Ihn hingegen spüren lassen, dass er kein Versager ist, dass er nicht an der gegenwärtigen Befindlichkeit Schuld hat. Nicht an Tugenden wie Glaube oder Verantwortung appellieren. Dem schwer Depressiven Entscheidungen abnehmen, wenn sie ihm qualvoll sind. Ruhige, sichere, bestimmte Führung geben. Keinesfalls lebenswichtige Entscheidungen in der Depression treffen lassen (wie z.B. Berufswechsel, Scheidung, Kinder Keine einschneidende Veränderung der bisherigen Lebensgewohnheiten. Bei deutlich ausgeprägter Depression nicht in die Ferien gehen. Unterstützen und ermutigen Sie den Depressiven, setzen Sie ihn aber nicht unter Druck! Was nicht geht, geht nicht. Nicht nur kleine Schritte, sogar winzige Schritte sind ein Erfolg! Einfühlendes Verständnis zeigen, wenn der Betroffene Schwierigkeiten hat, etwas zu tun; ihn jedoch darin unterstützen, dass er eigene realistisch angesetzte Aufgaben durchführt. Den Betroffenen auf alles, was ihm gelingt, aufmerksam machen - aber keine triumphierenden Untertöne! Auf eine regelmäßige, rhythmische Gliederung des Tagesablaufes achten (aufstehen, arbeiten, essen, zu Bett gehen), die auch an Fest- und Feiertagen beibehalten werden sollte. Den Betroffenen unterstützen, am Morgen nicht im Bett liegen zu bleiben, sich am Abend nicht zu früh ins Bett zurückzuziehen und sich während des Tages nicht völlig zu isolieren. Verständnis dafür zu zeigen, dass sexuelle Gefühle während der Depression schwinden oder verloren gehen. Selbständige Körperpflege unterstützen. Sich im Umgang mit Depressiven nicht entmutigen lassen, z.B. wenn man spürt, dass der Betroffene auf alles nur negativ reagiert und alles abwertet. Beziehung nicht verdünnen oder gar abbrechen, wenn die verbale Verständigung stockt. Vorgespielte Fröhlichkeit, Umtriebigkeit, übertriebene Aktivität im Zusammenhang mit dem Betroffenen meiden. Äußerungen vermeiden, die dem Betroffenen lächerlich machen können, die bei ihm Schuldgefühle wecken oder die ihn bloßstellen. Keine Vorwürfe oder Vorhaltungen. Daran denken, dass der Betroffene sehr empfindlich und verletzbar ist und leicht heraushört, er sei unwürdig und unwert. Vorsicht mit Ironie, Sarkasmus und auch harmlosen Scherzen. Der Sinn für Humor geht in der Depression verloren. Nicht auf das Grübeln über vergangene Ereignisse eingehen. Während einer schweren Depression nicht nach Anlässen und Gründen für die Verstimmung forschen. Möglichst in der Gegenwart, beim aktuellen Empfinden bleiben. Helfen Sie mit Erinnerung! Hat jemand schon mehrere depressive Phasen durchgemacht, erinnern Sie ihn daran, dass er sich auch diesmal sicher wieder erholen wird! Der Depressive selbst sieht diese Perspektive oft nicht mehr. Wenn der Betroffene weinen kann (was viele Depressive nicht können), fördern, dass er sich ausweint. Die Tendenz, dass er immer Selbstbeherrschung von sich verlangt, nicht unterstützen. Bei nicht zu schweren Depressionen eventuell die Atmung anregen (z.B. Schwimmen). Eventuell spezifische Massage, z.B. im Nacken- und Bauchbereich. Kreativen Selbstausdruck (Tanz, Malen, Musik) erst dann und nur dann fördern, wenn der Betroffene selbst danach Verlangen hat. Als Angehöriger auch unbedingt an sich denken! Eventuell selbst Hilfe (Psychotherapie oder Selbsthilfegruppe) in Anspruch nehmen!