Angsterkrankung

Leben mit Depression und Angst Selbsthilfegruppe
© 2017 - Leben mit Depression und Angst - Selbsthilfegruppe bei Depressionen und Angststörungen - Tamsweg/Salzburg/Österreich
Die Wahrscheinlichkeit, in unserem Leben an einer Angsterkrankung zu leiden, beträgt 10 - 15 %. In der Gesamtzahl finden sich am häufigsten Patienten mit einer generalisierten Angststörung und einer Platzangst wieder. "Auch der stärkste Mann schaut einmal unters Bett." schrieb der deutsche Kinderbuchautor und Dramatiker Erich Kästner. Angsterkrankungen manifestieren sich in der Regel bereits zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Da es sich zumeist um Erkrankungen mit einem chronischen Verlauf handelt, haben die Patienten, wenn sie sich nicht in eine Behandlung begeben, einen langen Leidensweg vor sich. Leider besteht sehr häufig eine hohe natürliche Scham, seine Probleme gegenüber einem Arzt anzusprechen. Auch wird sehr gerne nach einem organischen Leider gesucht, da es fassbarer ist als eine Angsterkrankung. Geholfen werden kann dem Patienten aber nur, wenn eine ausreichende Aufklärung über die Ursachen und die zugrunde liegenden Mechanismen ihrer Erkrankung erfolgt ist. Nicht unerheblich ist der Anteil an Patienten, die neben der Angsterkrankung eine weitere Problematik aufweisen. Häufig gehört dazu das Auftreten einer Depression oder eines Missbrauchs von Tabletten oder Alkohol. Diese Tatsache soll nochmals die Notwendigkeit eines individuell abgestimmten Therapieplans (Medikamente und/oder Psychotherapie) verdeutlichen. Bewältigung von Angst und Panik Medikamentöse Behandlung: Bei der medikamentösen Behandlung kommen häufig die folgenden Medikamente zur Anwendung: trizyklische Antidepressiva Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Beruhigungsmittel (Tranquilizer) Fragen Sie Ihren Arzt! Psychotherapeutische Behandlung: Tiefenpsychologische Methoden: Im Vordergrund steht eine Aufdeckung und Auflösung krankheitsverursachender Konflikte und deren unbewussten Beweggründe. Kognitive Verhaltenstherapie: Therapeutisch sollen Veränderungen des Verhaltens und der Lebensbedingungen erlernt werden. Systematische Psychotherapie ... und viele weitere Therapieformen. Ihr Arzt oder ein Psychotherapeut gibt Auskunft! Weitere Möglichkeiten der Bewältigung von Angst und Panik: Zahlreiche Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation, autogenes Training, fernöstliche Methoden wie Yoga, Chi Gong oder Tai Chi, diverse Kurse, beispielsweise über Stressmanagement oder der Besuch von regionalen Selbsthilfegruppen. Was können wir selbst tun, um unsere Ängste erfolgreich zu überwinden? Zwei Drittel aller Betroffenen können innerhalb kurzer Zeit ihre Angst überwinden. Die folgenden Schritte können uns dabei helfen: 1. Zunächst einmal müssen Sie sich klarmachen: Die meisten Ihrer Ängste entstehen nicht durch eine bestimmte Situation, sondern dadurch, dass Sie diese Situation als gefährlich und sich als hilflos ansehen. Dann müssen Sie sich beobachten, welche Gedanken Ihrem Angstgefühl vorausgehen. Gewöhnlich sind es Gedanken wie: "Bestimmt wird mir das... und das... passieren. Das könnte ich nicht ertragen". 2. Prüfen Sie diese Gedanken: Ist es denn wirklich so, dass dieses schlimme Ereignis mit Sicherheit auf Sie zukommen wird oder kam es bisher vielleicht nur einmal auf Sie zu? Und wenn es auf Sie zukommen sollte, haben Sie dann wirklich keine Möglichkeiten damit umzugehen? 3. Nun müssen Sie damit beginnen, die Situationen, die Sie bisher gemieden haben, wieder aufzusuchen. Für viele Menschen ist es einfacher, mit der einfachsten Situation zu beginnen. Deshalb notieren Sie sich am besten alle Situationen, vor denen Sie Angst haben, und beginnen mit der einfachsten. Erinnern Sie sich dabei daran, dass Sie mit der Situation und den darin auftauchenden Gefühlen umgehen können. Sie werden zunächst Angst empfinden. Sagen Sie sich deshalb: "Ich weiß jetzt, dass all meine körperlichen Symptome auftauchen werden, weil ich mir bisher erzählt habe, wie gefährlich die Situation ist. Sie sind das Ergebnis meiner Gedanken. Sie werden vorübergehen. Ich kann es ertragen, sie sind nur unangenehm. Ich werde jetzt in der Situation bleiben, bis ich ruhiger werde." Wichtig: Bleiben Sie in der Situation, bis die Angst nachlässt. 4. Erlernen Sie eine Entspannungstechnik wie etwa das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung. Angst und Entspannung können wir nicht gleichzeitig empfinden. Wenn wir bewusst unserem Körper den Auftrag zur Entspannung geben, wird die Angst nachlassen. 5. Erinnern Sie sich daran: Angst kann man nur verlernen, wenn man mit Angst in die Situation geht. Mit zunehmender Übung wird die Angst abnehmen. 6. Da Angst ein körperliches Signal ist, das uns vor Gefahren bewahren soll, kostet es Energie, trotz Angst in die Situation zu gehen. Deshalb ist für manche Menschen eine therapeutische Unterstützung sehr hilfreich.
Schöne Advents- zeit