Erfahrungsberichte

Leben mit Depression und Angst Selbsthilfegruppe
© 2017 - Leben mit Depression und Angst - Selbsthilfegruppe bei Depressionen und Angststörungen - Tamsweg/Salzburg/Österreich
Mit meinen jungen 20 Jahren schon an Depressionen zu erkranken, war am Anfang nach der Diagnose ein heftiger Schlag ins Gesicht. „Jetzt auch noch Depressionen!?“ waren meine Gedanken, wo ich ohnehin schon mein Leben lang mit div. Erkrankungen zu leben hatte. Alles begann nach einem geplanten Suizid, der durch meinen Vater ausgelöst wurde. – Oder begann das Ganze doch schon früher? Jedenfalls wurden durch diesen geplanten Suizid, dessen Ausführung scheiterte, manche Menschen in meinem engeren Umkreis wachgerüttelt, was mich endlich zu Ärzten brachte, die meine Situation erkannten und ernst nahmen. – Erschöpfungsdepression war die Erstdiagnose. Erschöpfungsdepression, die hauptsächlich durch Mobbing und psychischen Stress in meiner damaligen Arbeitsstelle ausgelöst wurde. Mittlerweile lautet meine Diagnose ‚rezidivierende Depression’, also eine wiederkehrende Depression. Allerdings würde ich keine Diagnose benötigen, um zu bemerken das die Depression immer wiederkehrt, sehr oft sogar ziemlich heftig und unbarmherzig. Verständnis und Rückhalt durch meine Ursprungsfamilie waren und sind nahezu fast gar nicht vorhanden, was das Leid durch die Krankheit noch zusätzlich erschwert. Wenn dann noch Vorwürfe aus der Familie kommen und die Depression als Ausrede für diverse Pflichten bezeichnet wird, dann beginnst du dich von deiner Familie fast völlig zurückzuziehen. Als ich meine Depression nun endlich akzeptierte und auch als Krankheit anerkannte stürzte ich mich in die Flut an Informationen aus dem Internet, um umfassend informiert zu sein. Wenig später wurde in meinem Bezirk eine Selbsthilfegruppe gegründet, der ich von Anfang an angehöre und die mir sehr über manche Tiefs hindurch geholfen hat. Es war und ist mir auch ein Anliegen, meine Informationen über die Krankheit an die Mitbetroffenen weiterzugeben, denn je mehr Informationen man bekommt, desto eher kann man aus der Tiefe der Depression herauskommen. Später begann ich auch eine psychiatrische Behandlung, um auch medikamentös meine Depression zu lindern. Leider stieß ich auf eine unverlässliche und wenig hilfsbereite Psychiaterin, die ich einige Zeit später auch wieder verließ um meine Behandlung mit Psychopharmaka in die Hände meines Internisten zu legen. Dazwischen folgte ein weiterer Suizidversuch der auch beinahe meinen Tod bedeutet hätte. Nur durch ehemalige Freunde und gute Ärzte konnte ich gerettet werden. In meinen bisherigen 5 offiziellen Jahren der Depression hatte ich 5 Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken, davon 3 innerhalb eines halben Jahres. 2004 hatte ich auch noch einen 6wöchigen Reha-Aufenthalt. Mein berufliches Pflichtbewusstsein, das lange nicht gewürdigt wurde ließ mich bisher meist nicht länger als 2 Wochen in den Psychiatrien verweilen, was oft ein Fehler war, den ich mir erst hinterher eingestand. In der Psychiatrie angekommen, geht es mir meist recht schnell wieder gut, was mich dann wieder in die Welt des Alltags treibt, wo die Probleme und Sorgen dann wieder allgegenwärtig sind und meine psychische Verfassung beinahe sofort wieder zusammenbricht. 4 meiner bisherigen depressionsbedingten Krankenhausaufenthalte wurden ärztlich angeordnet oder für dringend notwendig befunden, erst der letzte wurde von mir selbst gewünscht. Man lernt sich halt doch im Laufe der Depression besser kennen und seine Ressourcen einzuschätzen. Ich möchte noch mal zu meinem angesprochenen beruflichen Pflichtbewusstsein zurückkommen, das solange einwandfrei vorhanden ist, solange es nicht wieder zu einem psychischen „Super-GAU“ kommt. Allerdings laugt mich selbst meine Teilzeitbeschäftigung derart aus und zerrt an meinen wenigen Ressourcen, so dass ich am Nachmittag nichts mehr von privaten Verpflichtungen beispielsweise im Haushalt wissen will, weil ganz einfach die nötige Kraft und Energie sowie die Überwindung fehlen und diese Verpflichtungen nach einem Arbeitstag nicht mehr zu bewältigen zu sein scheinen. Aber auch in diesem Bezug kommt seitens der Familie kaum Unterstützung sondern nur Vorwürfe und selbst sogar Drohungen. Dass das in mir weitere depressive Gedanken, Sorgen und Schuldgefühle auslöst, scheint meiner Familie nicht bewusst zu sein. Man legt Ihnen Infomaterial hin, dass sie im Umgang mit mir als Depressiven unterstützen soll, die Blätter werden zwar gelesen, der Inhalt aber scheinbar nicht registriert oder gar umgesetzt. Vermutlich auch mein Elternhaus und meine etwas schwierige Kindheit sowie die Schulzeit sind sicher mitverantwortlich als Auslöser meiner Depression. Mein Vater war immer dem Alkohol mehr zugewandt als seiner Familie. Terrorisieren, Drohungen gegen die Mutter, Verwüstungen im Haus und manche Flucht standen an der Tagesordnung. Das es für die Schule nicht gerade förderlich ist, mit solchen Gedanken und Ängsten leben zu müssen, die du noch dazu mit niemanden besprechen kannst, ist glaube ich klar. Durch eine hypophysäre Insuffizienz, einer Unterentwicklung der Hirnanhangdrüse, die den zweiten Teil des Auslösens meiner Depression bildet, war ich von Anfang an recht klein und musste fast tägliches Spritzen von Wachstumshormonen über mich ergehen lassen, dass ich überhaupt meine heutige Größe erreichen konnte. Auch diese Erkrankung und meine Sehschwäche nagten an meinem Ego. Auch die durch den Kleinwuchs, meine eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit, durch Sehschwäche und der etwas rundlichen Statur ausgelösten Verspottungen durch meine Mitschüler waren für mich nur schwer zu ertragen. Bei mir äußert sich eine mittlere bis starke Depression durch Grübeln über alles was mir in meinem Leben widerfährt, durch tiefe Traurigkeit, die man mit einer Traurigkeit beispielsweise über die Krankheit eines lieben Menschen, in keinem Fall vergleichen kann. Es ist ein Gefühl, das sich nicht beschreiben lässt. Oft zieht sich der Körper zusammen und es kommt zu Verspannungen. Auch Ein- und Durchschlafstörungen können durch das spätabendliche Grübeln auftreten. Man hört von vielen Depressiven, dass sie es am Morgen kaum aus dem Bett schaffen. Wenn es bei mir soweit kommt, dann weiß ich, dass bald wieder eine „Auszeit vom Leben“ notwendig wird, weil ich am Morgen normalerweise keine Probleme habe. Baut sich die Depression langsam wieder auf, reicht oft eine Kleinigkeit, etwa der Ärger über eine Mahnung, das die Sache eskaliert. Wenn ich dann nicht ein einigermaßen brauchbares Netz um mich habe, dass im Stande ist mich aufzufangen, ist ein Suizidversuch meist nicht weit.
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