FAQ - Frequently Asked Questions

Leben mit Depression und Angst Selbsthilfegruppe
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Sollte man jedoch bereits eine depressive Phase hinter sich haben und die Anzeichen einer erneuten Erkrankung bemerken, so ist es von großer Bedeutung, nach Rücksprache mit dem Arzt bereits in diesem frühen Stadium ein antidepressiv wirkendes Medikament zu nehmen. Medizinische Forschungen belegen, dass eine frühe Einnahme die Stärke und die Dauer einer Depression stark verringern kann. Die Einnahme dieses Medikaments darf selbstverständlich nicht nach eigener Idee erfolgen, sondern nur in Zusammenarbeit mit dem Arzt. Langzeitbehandlung mit Medikamenten (Phasenprophylaxe): Eine wichtige Möglichkeit der Rückfallvorbeugung stellt die medikamentöse Langzeitbehandlung dar. Dies bedeutet, dass man über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig Arzneimittel einnimmt, um so das Auftreten weiterer depressiver oder manischer Phasen zu verhindern. Bei dieser Langzeitbehandlung kommt vor allem eine Behandlung mit Lithium in Betracht. Die vorbeugende Wirkung dieser Substanz ist wissenschaftlich sehr genau untersucht. Eine andere Möglichkeit der Vorbeugung besteht in der Einnahme eines Medikaments mit der Substanz Carbamazepin. Unter der medikamentösen Langzeitbehandlung halbiert sich die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls. Dies schließt weitere Phasen der Erkrankung nicht aus. Ein neuerliches Auftreten bedeutet jedoch nicht, dass die Medikamente in solchen Fällen keine Wirkung gezeigt hätten. Auch wenn bei einigen Betroffenen eine erneute Erkrankung nicht vollkommen verhindert werden kann, so verringert sich zumindest die Häufigkeit von neuen manischen oder depressiven Phasen. Dies konnte durch umfangreiche Studien belegt werden. Dementsprechend sollte sehr genau überlegt werden, ob man eine Behandlung wegen einer neuerlichen Phase der Erkrankung abbricht. Die Langzeitbehandlung mit Lithium kann auch Nebenwirkungen hervorrufen. Wegen der chemischen Ähnlichkeit des Lithiums mit dem Natrium kann das Lithium den Wasserhaushalt des Körpers beeinflussen. Bei 20 bis 40% der Betroffenen kommt es zu einer eingeschränkten Konzentrationsfähigkeit der Nieren. Dies hat zur Folge, dass die Betroffenen häufiger Wasser lassen und mehr trinken müssen. Weiterhin kann es unter der Langzeitbehandlung mit Lithium zu einer unerwünschten Gewichtszunahme kommen. Ebenso können Magen-Darm-Beschwerden, Händezittern oder Muskelschwäche auftreten. Bei der Behandlung mit Carbamazepin kann es außerdem zu Müdigkeit, Schwindel, Sehstörungen oder Herzrhythmusstörungen kommen. Weiterhin kann es zu Funktionsstörungen der Schilddrüse kommen. Bei allen Nebenwirkungen der Phasenprophylaxe ist es wichtig zu wissen, dass sie oftmals nur am Beginn der Therapie auftreten und später wieder verschwinden können. Ebenso ist es für den Betroffenen wichtig zu wissen, dass die therapeutische Wirkung von Lithium, der so genannte phasenprophylaktische Effekt, erst mit einer Verzögerung von mindestens einem halben Jahr auftritt. Diese Tatsachen verdeutlichen, dass es sehr wichtig ist, die verordneten Medikamente regelmäßig und langfristig einzunehmen. Diese regelmäßige Einnahme von Medikamenten empfinden viele Patienten als störend und einengend. Diese Einstellung resultiert jedoch oft aus einer falschen Sichtweise: Die Dauerbehandlung mit Arzneimitteln sollte nicht als Beleg dafür gewertet werden, dass die Erkrankung nicht heilbar sei. Vielmehr sollte das Augenmerk darauf gerichtet werden, dass die Langzeitbehandlung dem Betroffenen ein weitgehend beschwerdefreies Leben ermöglicht und einen guten Schutz gegen neuerliche Erkrankungen leistet. Insofern ist die medikamentöse Langzeitbehandlung bei psychischen Erkrankungen zum Beispiel mit der regelmäßigen Zuführung von Insulin bei der Zuckerkrankheit zu vergleichen: Beide Therapien lassen den Erkrankten aktiv am Leben teilnehmen und schützen ihn vor weiteren Gesundheitsschäden. Von ebenso großer Bedeutung für die Verhinderung weiterer depressiver oder manischer Phasen ist eine Lebensführung, die sich der einmal durchlittenen Erkrankung bewusst ist. Dabei kommt es vor allem darauf an, die so genannte depressive Spirale zu vermeiden.