Für Betroffene
Warum Antidepressiva zunächst oft nicht wirken!
Amerikanische Forscher haben entdeckt, warum eine Therapie mit Antidepressiva häufig erst nach einiger Zeit anschlägt: Die Medikamente blockieren zwar die auf den Gehirnbotenstoff Serotonin spezialisierten Transporter im Gehirn, doch unter diesen Bedingungen kann der Botenstoff auf andere Transporter ausweichen. Dadurch gerät das Gleichgewicht der Signalstoffe im Gehirn durcheinander, was wiederum die Stimmungslage des Patienten stark schwanken lässt. Über ihre Studie an Mäusen berichten John Dani und seine Kollegen vom Baylor-College in Houston in der Fachzeitschrift "Neuron" (Bd. 46, S. 65).
Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin vermitteln die Nervensignalweiterleitung im Gehirn. Kommt ein elektrisches Signal an einem Nervenende an, werden die Botenstoffe freigesetzt und melden dem nächsten Nerv das ankommende Signal. Nach Beendigung dieser Aufgabe werden die Transmitter mithilfe so genannter Rezeptoren wieder zurück in das Innere des Nervenendes transportiert. Bislang gingen Forscher davon aus, dass diese Transporter nur eine ganz bestimmte Sorte der Botenstoffe erkennen und transportieren können.
Auf dieser Annahme basiert auch das Prinzip der gängigsten Antidepressiva: Da bei Menschen mit Depressionen ein Mangel an Serotonin herrscht, blockieren die so genannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) die Transporter, die das Serotonin zurück in die Zelle schleusen.
Auf diese Weise bleibt die Serotoninmenge erhöht und die Stimmung stabilisiert sich.
Doch ganz so einfach und eindeutig scheint diese Wechselwirkung nicht zu sein, legen die Ergebnisse von Dani und seinen Kollegen nahe: Offenbar kann Serotonin auch Dopamintransporter benutzen, wenn seine eigenen Transporter blockiert sind, und so in die Nervenenden gelangen, die sonst nur Dopamin enthalten. Beim nächsten Signal, das an diesen Nerven ankommt, wird demnach nicht wie üblich nur Dopamin freigesetzt, sondern zusätzlich das gelagerte Serotonin - mit der Folge, dass die Signalsysteme durcheinander geraten.
Die Verzögerung zu Beginn einer Antidepressiva-Therapie entsteht dadurch, dass das Entern der fremden Transporter nur sehr langsam erfolgt, schreiben die Forscher. Haben sich die beiden Wege jedoch erst einmal durchmischt, hat das auch positive Effekte: Da jetzt zusätzlich Serotonin von den Dopamin-Nerven freigesetzt wird, steigt die Gesamtmenge schneller an und die Stimmung stabilisiert sich. Welche Nebenwirkungen die Durchmischung hat, können die Forscher jedoch noch nicht sagen.
Therapiemöglichkeiten bei Depressionen:
Möglichkeiten der Therapie gegen die Depression gibt es mindestens so viele, wie Ursachen für die Krankheit. Welche Therapie bei wem wirksam ist kann Ihnen Ihr Arzt oder Psychotherapeut sagen bzw. muss durch kontrolliertes Ausprobieren festgestellt werden. Wir dürfen Ihnen hier wieder einen Auszug zur Verfügung stellen:
Psychotherapeutische Behandlung:
Die Wahl der geeigneten psychotherapeutischen Maßnahmen hängt dabei von der Art der Depression aber auch vom Schweregrad ab. Eine Beratung durch Ihren Hausarzt, einem Psychiater oder Psychotherapeuten ist auf jeden Fall ratsam.