Thema: Suizid

Leben mit Depression und Angst Selbsthilfegruppe
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Oft wird ein Suizid vorher angekündigt: Viele Suizidopfer hinterlassen Abschiedsbriefe, in denen sie ihre Tat begründen, oder deuten bei Freunden und Verwandten ihre Absichten an. Psychologen vertreten den Standpunkt, dass solche Warnungen ernst zu nehmen sind und der Betroffene beim Verdacht einer Suizidalität offen darauf angesprochen werden sollte. Sie argumentieren, dass Menschen, die einen Suizid begehen wollen, meist niemanden finden, mit dem sie über diese Gedanken sprechen könnten. Ein zentraler Punkt der Prophylaxe besteht deshalb darin, Menschen zu helfen über ihre Probleme und Suizidgedanken zu reden, um nicht in eine noch stärkere Isolation zu geraten. Aus diesem Gedanken heraus entstand in den 1950er Jahren die Telefonseelsorge als Einrichtung der Suizidprävention. Personen, die einen Suizidversuch durchgeführt haben, werden in der Regel wegen ihrer Verletzungen oder Vergiftungen in ein Krankenhaus eingewiesen. Meist werden sie dort nach der körperlichen Genesung auf einer geschlossenen psychiatrischen Station überwacht, bis sie glaubhaft machen können, dass keine Suizidgefährdung mehr besteht. Betont ein Patient, auch weiterhin einen Suizid begehen zu wollen, wird er in eine Psychiatrie zwangseingewiesen. Diese Praxis wird von einigen mit Hinweis auf das Recht auf einen selbstbestimmten Tod und Zweifeln am Erfolg einer Zwangsbehandlung kritisiert. Befürworter solcher Maßnahmen sehen die bei suizidalen Patienten sehr häufig vorliegende behandlungsbedürftige Depression als Ausschlusskriterium für die Möglichkeit eines selbstbestimmten Todes. Weitere unwahre Behauptungen zum Thema Suizid und deren Richtigstellung Falsch: Wer an Suizid denkt, will sich nicht unbedingt das Leben nehmen. Richtig: Die meisten Menschen, die an Selbsttötung denken, schwanken zwischen dem Wunsch zu leben und dem zu sterben; sie „spielen mit dem Tod", und sie überlassen es den anderen, sie zu retten. Kaum einer nimmt sich das Leben, ohne seine Gefühle einem anderen zu offenbaren. Falsch: Wer einmal zum Suizid neigt, wird es immer wieder tun. Richtig: Lebensmüde haben nur während einer begrenzten Zeit ihres Lebens den Wunsch, sich zu töten. Falsch: Besserung nach einer suizidalen Krise bedeutet das Aufhören des Risikos. Richtig: Die meisten Suizide geschahen in den drei Monaten nach beginnender „Besserung", wenn der Patient von neuem die Energie hat, selbstzerstörerische Entschlüsse auszuführen. Falsch: Es ist keine gute Idee, jemanden zu fragen, ob er sich mit Selbstmordgedanken trägt. Über Selbstmord zu reden könnte ihn nur auf den Gedanken bringen, sich umzubringen. Richtig: Ganz im Gegenteil: Darüber zu sprechen, hilft dieser Person oftmals, sich mit den damit verbundenen schwierigen Themen auseinanderzusetzen und die Spannung zwischen dem Wunsch zu leben und zu sterben zu lösen. Eine Bereitschaft zum Zuhören zeigt, dass Menschen Anteil nehmen und bereit sind, zu helfen. Falsch: Alle, die Suizid begehen oder begehen wollen, sind geisteskrank, jeder Suizid ist die Handlung eines Psychotikers. Richtig: Es ergibt sich aus dem Studium von Hunderten von letzten Aufzeichnungen, dass der suizidale Mensch zwar äußerst unglücklich, aber nicht notwendigerweise geistesgestört ist. Was selbsttötungsgefährdete und depressive Menschen möchten: Jemand, der ihnen aktiv zuhört: Jemand, der sich Zeit nimmt, ihnen wirklich zuzuhören. Jemand, der nicht gleich urteilt, Ratschläge oder Meinungen von sich gibt, sondern sich ihnen mit großer Aufmerksamkeit zuwendet und zum Beispiel nach Gefühlen, dem Befinden und Vertrauenspersonen nachfragt. Jemand, dem sie vertrauen können. Jemand, der sie respektiert, der sie ernst nimmt, und der alles streng vertraulichbehandelt. Jemand, der Anteil nimmt. Jemand, der sagt: „Du bist mir nicht egal“.