Leben mit Depression und Angst

FAQ - Frequently Asked Questions 1 - 5

Hier finden Sie eine Auswahl an sogenannten FAQ - Frequently Asked Questions, Häufig gestellten Fragen

1. Was ist eigentlich eine Depression?

Als Depression bezeichnet man eine über das normale hinausgehende seelische Niedergeschlagenheit, die man selber als krankhaft bzw. nicht mehr steuerbar empfindet. Wichtig ist es zu wissen, dass es verschiedene Arten und Ursachen für Depressionen gibt, welche sich teilweise auch in ihren Behandlungsmöglichkeiten unterscheiden.

2. Wie entsteht eine Depression?

Seitdem es die wissenschaftliche Psychiatrie gibt, haben Wissenschaftler versucht, die Ursache von Depressionen zu erforschen. Trotzdem ist – wie übrigens bei den meisten Krankheiten - die Ursache von Depressionen nicht vollständig aufgeklärt. Man weiß, dass bei manchen Menschen eine Depression ausgelöst werden kann durch Erlebnisse, die sie aus dem Gleichgewicht bringen. Dabei muss es sich nicht unbedingt um eine unangenehme Erfahrung handeln wie den Verlust eines geliebten Menschen oder um Arbeitslosigkeit. Es gibt auch Fälle, in denen äußerst angenehme Erlebnisse eine Depression auslösen. Hierzu zählen zum Beispiel die Geburt eines Kindes, ein Lottogewinn, oder der lang ersehnte berufliche Erfolg.
Manche Depressionen treten in Zusammenhang mit einer körperlichen Krankheit auf. Es ist gar nicht so selten, dass eine Depression nach einer Narkose oder nach einer Infektion "plötzlich da ist".
Es gibt auch das Phänomen der Entlastungsdepression. Nach einem lang anhaltenden Stress, zum Beispiel zum Schuljahresende bei Lehrern, oder nach der schweren Erkrankung eines Angehörigen, tritt nach der Entlastung plötzlich eine Depression auf. Der Körper hat sich in dieser Zeit an die starke Belastung, den Stress, gewöhnt und produziert plötzlich nicht mehr genügend anregende "Stresshormone", sodass es zu einer völligen "Abschlaffung" kommen kann. Aus diesem Grunde ist es auch sehr wichtig, mindestens drei Wochen am Stück Urlaub zu nehmen. Auch unter ständiger Belastung (Überforderung) kann es zur Depression kommen. Wer unter einer länger dauernden Überforderung steht - wie der Doppelbelastung durch Beruf und Kindererziehung und vielleicht noch einer pflegebedürftigen Oma -, "kippt" dann um. Oft können wir diese Überforderungen nur mit Zigaretten, Alkohol und Kaffee überstehen. Das Trinken von zu viel Alkohol oder der Gebrauch von gewissen Drogen kann ebenfalls eine Depression auslösen. Meistens treten Depressionen jedoch ohne ersichtlichen Anlass auf und haben selten nur eine einzige Ursache. Man geht heute davon aus, dass eine Depression aus dem Zusammenspiel von genetischen, biologischen und psychologischen Faktoren eine Antwort auf eine gewisse Art von Stress, Dystress genannt, ist.
Frauen werden etwa doppelt so häufig gegen Depressionen behandelt wie Männer. Ob sie allerdings tatsächlich doppelt so häufig erkranken wie Männer, ist unklar. Vielleicht sind sie nur klüger und suchen früher Hilfe als die "starken" Männer, die möglicherweise ihre Depressionen nur im Alkohol "ertränken".
Andererseits weiß man, dass in schweren Zeiten, wie zum Beispiel während eines Krieges, weniger Depressionen auftreten als in guten Zeiten. Wir geben zu, dass all diese Befunde recht verwirrend und kaum zu sortieren und noch weniger zu verstehen sind. Zurzeit weiß man lediglich, dass es bei einer Depression zu Funktionsstörungen im Gehirn kommen kann, bei denen das Gleichgewicht gewisser Überträgerstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) gestört ist. Anders als ein Beinbruch lässt sich eine Depression im Allgemeinen nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Meist sind verschiedene Faktoren
beteiligt, die erst im Zusammenspiel eine Depression entstehen lassen. Vereinfacht lässt sich jedoch sagen, dass es innere und äußere Umstände gibt, deren Vorhandensein einen Menschen an einer Depression erkranken lassen. Um das Zusammenwirken dieser Faktoren zu verstehen, muss man wissen, wie sich die Informationsweitergabe innerhalb unseres Gehirns abspielt. Die einzelnen Nervenzellen, die unseren Körper durchziehen und aus denen unser Gehirn besteht, tauschen untereinander Informationen aus. Dabei können diese Informationen als Sinneseindrücke registriert werden, z.B. als Anblick eines Bildes oder als Hören von Musik. Es kann sich aber auch um Gefühle oder Gedanken handeln. Die Weitergabe solcher Informationen zwischen einzelnen Zellen des Gehirns findet durch die Ausschüttung von
Botenstoffen statt, den so genannten Neurotransmittern. Nach Ansicht der neueren Wissenschaft kommt es während einer Depression zu einer Störung dieses Stoffwechsels im Gehirn. Vor allem bestimmte
Botenstoffe, das Serotonin und das Noradrenalin sind aus der Balance geraten. Durch diese Stoffwechselstörung sinkt die Fähigkeit, Empfindungen wie Freude oder Zufriedenheit zu verspüren; negative Gefühle werden übermächtig. Diese Stoffwechselstörung wird oft durch einschneidende Lebensereignisse verursacht. Ein solches Ereignis kann bereits ein Umzug in eine fremde Stadt sein. Auch Lebensprobleme können für diese Störung verantwortlich sein: Verlust des Partners, Tod eines Angehörigen, dauernde berufliche Über- oder Unterforderung. In der Medizin ist umstritten, was bloße Rahmenbedingung und was eigentliche Krankheitsursache ist. Je nach Sichtweise kann man annehmen, dass Veränderungen des Stoffwechsels im Gehirn lediglich eine Begleiterscheinung der krankmachenden Lebensprobleme sind. Andererseits lässt sich natürlich auch sagen, dass alle Menschen in ihrem Leben Verluste und Trennungen erleiden oder Phasen der Überlastung durchstehen müssen, aber nur wenige daraufhin an einer Depression erkranken.

3. Welche Beschwerden und Symptome gibt es?

Es ist ganz natürlich und normal, sich in verschiedenen Situationen des Lebens, insbesondere Belastungssituationen, niedergeschlagen zu fühlen. Die Grenzen zwischen normaler Niedergeschlagenheit und der eigentlichen Depression sind dabei fließend. Auch müssen die Beschwerden nicht alle vorliegen und können unterschiedliches Ausmaß annehmen. Das am stärksten mit Depression verbundene Symptom ist ein allgemeines, nicht an einen besonderen Anlass geknüpftes Gefühl der Niedergeschlagenheit. Der Depressive hat zu nichts Lust. Es wird viel gegrübelt und wenig unternommen. Das ganze Leben scheint leer und sinnlos.
Manchmal drängen sich auch Gedanken an Tod oder gar Suizid auf. Depressive fühlen sich nicht leistungsfähig. Dazu kommt der Wunsch, sich zurück zu ziehen und den Kontakt mit anderen Menschen zu meiden. Depressive sind oft lethargisch, können sich zu nichts aufraffen. Sie haben häufig keinen Appetit und auch keine sexuellen Bedürfnisse. Die Konzentration ist gestört, sodass auch die Verrichtung alltäglicher Dinge wie Anziehen, Aufräumen, Kochen und dergleichen zum Problem wird.
Depressive fühlen sich müde, können aber nicht schlafen. Es bestehen Einschlaf- oder Durchschlafstörungen, häufig wachen sie sehr früh am morgen auf. Die häufigsten bei einer Depression beobachteten Symptome sind:

endloses Grübeln
Konzentrationsschwierigkeiten
Hoffnungslosigkeit: Wir sehen unsere Situation und unsere Zukunft als ausweglos, uns selbst als wertlos.
Wir machen uns Selbstvorwürfe.
Minderwertigkeitsgefühle
Entscheidungsschwierigkeiten
Appetitverlust oder Heißhunger
Kopfschmerzen
Schlafstörungen
Unruhe, Kribbeln, Ziehen im Körper
Schwindel, Augenflimmern
Zittern, kalte Hände oder Hitzewallungen
Druckgefühl in der Brust
Kloßgefühl im Hals
Magendruck
Durchfall, Verstopfung
das sexuelle Verlangen nimmt ab
Antriebslosigkeit
Verzweiflung
Angst
Einsamkeitsgefühle
Niedergeschlagenheit
Lustlosigkeit
Gereiztheit
Unfähigkeit sich zu freuen
Antriebsmangel
Rückzug von anderen
Weinen
Kleinste alltägliche Verrichtungen fallen schwer
Hobbys werden vernachlässigt
Schmerzen im Nacken, in den Schultern
Herzstechen und -rasen

4. Welche Ursachen und Arten von Depressionen gibt es?

Man nimmt an, dass die Neigung zur Depression im Sinne eines erhöhten Erkrankungsrisikos vererbbar ist. Bei einer Depression ist der Stoffwechsel des Gehirns verändert. Die Konzentration der chemischen Stoffe, die Nervensignale weiterleiten (Neurotransmitter), insbesondere Serotonin und Noradrenalin, sind im Vergleich zum Gesunden verändert, meist niedriger. Die Ursache dafür ist unbekannt, wahrscheinlich spielt aber eine erbliche Vorbelastung eine große Rolle. Andere Faktoren, wie seelische Belastungen, Medikamente, Ernährung und körperliche Erkrankungen haben ebenfalls Einfluss auf den Stoffwechsel
dieser Substanzen.

Bedingt durch die zahlreichen Einflüsse hat man versucht verschiedene Arten von Depressionen zu beschreiben. Übergänge und Überschneidungen sind jedoch häufig, so dass die Behandlungsmöglichkeiten sich weitgehend nur durch verschiedene Schwerpunkte unterscheiden.

Man unterscheidet Depressionen

unbekannter Ursache (Endogene Depressionen): Hier geht man von der oben beschriebenen Annahme aus, das die vererbte Veranlagung ursächlich ist. Kennzeichnend ist häufig, dass kein äußerer bzw. ausreichender auslösender Grund vorhanden ist. Die Krankheit ist oft, sowohl für den Kranken als auch für seine Angehörigen und Freunde, unerklärlich. Sie kann in vielen Fällen nicht als eindeutige Reaktion auf eine erkennbare Krise interpretiert werden.

Depressionen bei einem belastendem Anlass (Reaktive Depressionen): Eine aktuelle stark belastende Situation (z. B. Tod des Ehepartners, Verlust des Arbeitsplatzes etc.) führt zu einer tiefen Krise, aus der Betroffene über einen langen Zeitraum (mind. sechs Monate) nicht mehr alleine herausfindet.

Depressionen bei einem ausgeprägten inneren Konflikt (Neurotische Depressionen): Ein meist geringer Anlass führt zu einem ausgeprägten inneren Konflikt, der zu den beschriebenen Beschwerden führen kann. Dieser innere Konflikt ist häufig nicht oder nur teilweise bewusst. Meist lässt sich dieser jedoch aus der Lebens- und Lerngeschichte erklären.

Eine Ausnahme bilden Depressionen mit bekannter körperlicher Ursache (Organische Depression): Zahlreiche körperliche Erkrankungen (z. B. niedriger Blutzucker, Mangel an Vitamin B12, Demenz, hormonelle Störungen, Schilddrüsenunterfunktion, Gehirntumoren usw.) können Depressionen verursachen. Bei der Behandlung dieser Depressionen steht die Behandlung der erkannten körperlichen Erkrankung im Vordergrund. Alle anderen Behandlungsmaßnahmen können hier nur unterstützend notwendig sein, sind meist jedoch entbehrlich.

Man unterscheidet also 3 Formen: "monopolare Depression", "bipolare affektive Erkrankung" und die "dysthyme Störung".

Die monopolare Depression kann einmalig im Leben auftreten - aber auch wiederkommen. Bei dieser Form der Gemütskrankheit treten auch bei Wiederholung immer nur Depressionen auf.

Bei der bipolaren affektiven Erkrankung treten neben Depression auch so genannte "Manien" auf. Bei einer Manie fühlt man sich in diesem Zustand übermäßig gut, sprüht vor Energie, beginnt tausend Sachen gleichzeitig, redet viel, gibt unmäßig viel Geld aus. Manche Menschen neigen zu riskantem Verhalten, bringen sich und andere in gefährliche Situationen. Während der Depressive nicht schlafen kann, braucht der Mensch mit einer Manie fast keinen Schlaf.

Eine weitere Form der affektiven Erkrankung ist die Dysthymie oder Verstimmtheit. Die Symptome gleichen denen der Depression, sind jedoch milder ausgeprägt und dauern länger an. Menschen mit einer Dysthymie fühlen sich nicht gut, sie haben keine Energie und haben fast nie das Gefühl, bei vollen Kräften zu sein.

5. Wie wird die Depression behandelt?

Depressionen heilen in der Regel auch ohne eine Behandlung, wobei ohne Behandlung das Ausmaß und die Dauer der Depression deutlich erhöht sind. Auch ist die Gefahr der Entstehung von Folgeschäden z. B. einer chronischen Depression erhöht. Besonders ist zu berücksichtigen, dass Depressionen mit einer Dauer von vielen Jahren beschrieben worden sind und auch die Zahl der Selbsttötungen deutlich erhöht ist.

Eine Depression lässt sich meist mit einer Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie erfolgreich behandeln. Die Dauer und das Ausmaß der Erkrankung lassen sich deutlich verringern.

Bei leichten Depressionen genügt teilweise eine ambulante Gesprächstherapie oder eine andere Form der Psychotherapie. Ob zusätzlich antidepressiv wirkende Medikamente zum Einsatz kommen sollen, muss individuell entschieden werden.

Bei schweren Fällen, insbesondere, wenn der Kranke suizidgefährdet ist, wird eine stationäre Behandlung notwendig. Die Behandlung erfolgt meist mit Medikamenten und psychotherapeutischen Maßnahmen.

Bei einzelnen Fällen kann es notwendig sein, durch eine vorbeugende medikamentöse Behandlung depressive Rückfälle zu verhindern.

Weitere bzw. ergänzende Möglichkeiten sind: Soziotherapie, Lichttherapie (bei der saisonalen Depression im Winter) und die so genannte Schlafentzugsbehandlung.

Für den Erkrankten ist bei der Behandlung vor allem eins wichtig: Eine Depression kann vom Arzt vielfach mit großem Erfolg behandelt werden. Dabei kommen im Wesentlichen zwei Behandlungsformen zum Einsatz: Die Therapie mit Arzneimitteln und die Psychotherapie. Bei leichten Formen der Depression ist nach dem heutigen Wissensstand von einer Gleichwertigkeit einer Behandlung mit Medikamenten und bestimmten Formen der Psychotherapie auszugehen. Handelt es sich um eine schwere Form der Depression, so ist zunächst eine Therapie mit Arzneimitteln zu wählen, da sie den größten Erfolg vorweisen kann. Schlägt diese Therapie nicht gleich an, so ist durch einen Arzt oder einen Psychologen eine begleitende Psychotherapie durchzuführen. Es ist auch möglich, beide Therapieformen zu kombinieren. Der behandelnde Arzt wird die Behandlung einer Depression immer auf den einzelnen Patienten individuell abstimmen. Von besonderer Bedeutung für die Behandlung eines depressiven Menschen ist dabei das Gespräch. Der Erkrankte muss die Möglichkeit haben, über sein Leiden und seine Sorgen sprechen zu können.

Diese Möglichkeit wird ihm der Arzt oder der Psychologe neben der Psychopharmako- und der Psychotherapie bieten.

Es gibt schließlich auch depressive Erkrankungen, die nicht behandelbar sind, diese werden fachsprachig therapieresistente Depression genannt.

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