Angehörige

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Persönlicher Tipp an Angehörige:

Bitte sagen Sie zu Depressions-Betroffenen nie etwas wie "Reiß dich zusammen!", "Du musst dich nur bemühen!" etc. Das geht oft einfach nicht und ein solcher Satz löst oft nur zusätzliche (Schuld)Gefühle in Betroffenen aus.

Eine Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, unter der nicht nur die Betroffenen leiden. Auch für Angehörige und Freunde ist dies eine schwierige und anstrengende Zeit, häufig wissen sie nicht, wie sie sich dem     Depressiven gegenüber am besten verhalten sollen.

Die Symptome, Auswirkungen, etc. von Depressionen sind so vielfältig, wie das Leben selbst. Deshalb lassen sich Depressionen auch nicht wirklich beschreiben bzw. in ein Muster "pressen". Hier trotzdem einige Schilderungen von Betroffenen:

"Es ist wie eine innere Leere."
"Depressive Verstimmung: Die Stimmung ist niedergedrückt, aber auch anders als eine "normale" schlechte Stimmung. Ich bin traurig, aber nicht normal traurig, sondern anders."
"Ich kann nicht traurig sein und ich kann mich nicht freuen."
"Ich muss über alles und jedes nachgrübeln. Wenn ich meine, dass es endlich vorbei ist, geht es wieder von vorne los, das Gedankenkarussell."
"Es ist ein Gefühl der Gefühllosigkeit."
"Dinge die mir früher Spaß gemacht haben, freuen mich nicht mehr. Das Essen schmeckt nicht, das Leben ist freudlos und fad."
"Ich muss wegen jeder Kleinigkeit schwitzen."
"Zu müde für den Tag - zu müde für das Leben."
"Die Stimmung schwankt von 100 auf 0 und von 0 auf 100 (oder zumindest 80) - oft binnen weniger Stunden!"
"Auch wer sich bemüht, die Krankheit zu versteht, kann sie nicht verstehen, wenn er sie selbst noch nicht kennt."
„Depression: Eine Krankheit, die man nicht sieht, die aber jeden treffen kann“
„Depression ist ein hässlicher, trister Zustand mit hohem Leidensdruck.“
"Ein Besuch der Dame in Schwarz." C. G. Jung

Depressionen erkennen/verstehen: Hier möchten wir versuchen, Ihnen ein bisschen näher zu bringen, wie sich Depressive fühlen, wie sie denken, ... Das soll zugleich Betroffenen aber auch Angehörigen die Möglichkeit geben, Depressionen zu erkennen bzw. ein zu schätzen und sich bei Bedarf Hilfe zu holen. Es soll aber auch darauf hingewiesen werden, dass nicht alle unten genannten Symptome auftreten müssen, um an einer Depression zu leiden.

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Verhaltensempfehlungen

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für Partner, Angehörige, Freunde, Chefs, Mitarbeiter, etc. von Menschen, die an Depressionen leiden:

  • Seien Sie ein verständnisvoller, geduldiger Zuhörer. Das ist nicht selbstverständlich, aber sehr wichtig!
  • Seien Sie flexibel! Die Symptome der Depression wirken sich unterschiedlich aus, eine Krankheit kann man sich nicht aussuchen.
  • Die negativen Empfindungen des Betroffenen (z.B. Klagen über Unlust, körperliche Beschwerden, Schlaflosigkeit) nicht bagatellisieren, wegdeuten oder ausreden. Kein platter Trost oder banale Aufmunterungen.
  • Die momentane Hoffnungslosigkeit des Betroffenen als ein Zeichen des depressiven Zustandes nehmen, realistische Hoffnung auf ein Ende der Depression geben.
  • Nicht an den Willen appellieren. Nicht sagen, der Betroffene solle sich zusammennehmen, er können schon, wenn er nur wolle.
  • Ihn hingegen spüren lassen, dass er kein Versager ist, dass er nicht an der gegenwärtigen Befindlichkeit Schuld hat.
  • Nicht an Tugenden wie Glaube oder Verantwortung appellieren.
  • Dem schwer Depressiven Entscheidungen abnehmen, wenn sie ihm qualvoll sind. Ruhige, sichere, bestimmte Führung geben.
  • Keinesfalls lebenswichtige Entscheidungen in der Depression treffen lassen (wie z.B. Berufswechsel, Scheidung, Kinder)
  • Keine einschneidende Veränderung der bisherigen Lebensgewohnheiten. Bei deutlich ausgeprägter Depression nicht in die Ferien gehen.
  • Unterstützen und ermutigen Sie den Depressiven, setzen Sie ihn aber nicht unter Druck! Was nicht geht, geht nicht. Nicht nur kleine Schritte, sogar winzige Schritte sind ein Erfolg!
  • Einfühlendes Verständnis zeigen, wenn der Betroffene Schwierigkeiten hat, etwas zu tun; ihn jedoch darin unterstützen, dass er eigene realistisch angesetzte Aufgaben durchführt. Den Betroffenen auf alles, was ihm gelingt, aufmerksam machen - aber keine triumphierenden Untertöne!
  • Auf eine regelmäßige, rhythmische Gliederung des Tagesablaufes achten (aufstehen, arbeiten, essen, zu Bett gehen), die auch an Fest- und Feiertagen beibehalten werden sollte.
  • Den Betroffenen unterstützen, am Morgen nicht im Bett liegen zu bleiben, sich am Abend nicht zu früh ins Bett zurückzuziehen und sich während des Tages nicht völlig zu isolieren.
  • Verständnis dafür zu zeigen, dass sexuelle Gefühle während der Depression schwinden oder verloren gehen.
  • Selbständige Körperpflege unterstützen.
  • Sich im Umgang mit Depressiven nicht entmutigen lassen, z.B. wenn man spürt, dass der Betroffene auf alles nur negativ reagiert und alles abwertet. Beziehung nicht verdünnen oder gar abbrechen, wenn die verbale Verständigung stockt.
  • Vorgespielte Fröhlichkeit, Umtriebigkeit, übertriebene Aktivität im Zusammenhang mit dem Betroffenen meiden.
  • Äußerungen vermeiden, die dem Betroffenen lächerlich machen können, die bei ihm Schuldgefühle wecken oder die ihn bloßstellen.
  • Keine Vorwürfe oder Vorhaltungen. Daran denken, dass der Betroffene sehr empfindlich und verletzbar ist und leicht heraushört, er sei unwürdig und unwert.
  • Vorsicht mit Ironie, Sarkasmus und auch harmlosen Scherzen. Der Sinn für Humor geht in der Depression verloren.
  • Nicht auf das Grübeln über vergangene Ereignisse eingehen. Während einer schweren Depression nicht nach Anlässen und Gründen für die Verstimmung forschen. Möglichst in der Gegenwart, beim aktuellen Empfinden bleiben.
  • Helfen Sie mit Erinnerung! Hat jemand schon mehrere depressive Phasen durchgemacht, erinnern Sie ihn daran, dass er sich auch diesmal sicher wieder erholen wird! Der Depressive selbst sieht diese Perspektive oft nicht mehr.
  • Wenn der Betroffene weinen kann (was viele Depressive nicht können), fördern, dass er sich ausweint. Die Tendenz, dass er immer Selbstbeherrschung von sich verlangt, nicht unterstützen.
  • Bei nicht zu schweren Depressionen eventuell die Atmung anregen (z.B. Schwimmen). Eventuell spezifische Massage, z.B. im Nacken- und Bauchbereich.
  • Kreativen Selbstausdruck (Tanz, Malen, Musik) erst dann und nur dann fördern, wenn der Betroffene selbst danach Verlangen hat.
  • Als Angehöriger auch unbedingt an sich denken! Eventuell selbst Hilfe (Psychotherapie oder Selbsthilfegruppe) in Anspruch nehmen!

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Was Ihrem Angehörigen hilft

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Hilfreich für den Betroffenen ist es, wenn Sie zunächst einmal Verständnis für seine Situation und seine Gefühle aufbringen. Wenn Sie ihn mit seiner Erkrankung ernst nehmen, ohne zu dramatisieren. Gleichzeitig sollten Sie versuchen, ihm zu vermitteln, dass Hilfe möglich ist und dass es ihm in Zukunft wieder besser gehen wird.

Es ist sehr wichtig, dass Sie Ihrem Angehörigen in seiner Entscheidung unterstützen, sich professionelle Hilfe zu suchen - genau so, wie Sie es bei anderen Erkrankungen auch tun würden.

Vielleicht können Sie sich als Begleiter durch eine schwere Zeit sehen, Es hilft, wenn Sie den Betroffenen unterstützen: Beginnen Sie mit kleinen Aktivitäten, die Ihrem Angehörigen Freude bereiten, wie etwa ein Spaziergang oder gemeinsames Musikhören. Auch ein Gespräch kann guttun.

In manchen Fällen kann es Ihren Angehörigen unterstützen, wenn Sie die Ausführung der Behandlung im Blick behalten, also etwa eine regelmäßige Einnahme der eventuell verschriebenen Medikamente oder den Besuch beim Psychotherapeuten - ohne ihm jedoch ein Gefühl von Kontrolle zu vermitteln.

Manchmal wird Ihr Angehöriger Sie vielleicht zurückweisen. Doch das zielt nicht auf Sie als Person, sondern ist der Erkrankung geschuldet. Nicht immer ist der andere in der Lage, Ihre Vorschläge anzunehmen. Wenn Sie das respektieren ohne sich gekränkt zurückzuziehen, helfen Sie ihm sehr.

Auf keinen Fall sollten Sie die Erkrankung herunterspielen., denn damit signalisieren Sie Ihrem Angehörigen, dass Sie ihn nicht akzeptieren, auch Sie es ganz anders meinen.

© Copyright zum obigen Text: Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Bundesärztekammer (BÄK). Depression.  Depression – Ratgeber für Angehörige. 2013 [cited: 2016  Jul 19]. Available from: http://doi.org/10.6101/AZQ/000011. DOI: 10.6101/AZQ/000011

Dank an das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), Deutschland

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